Janda
Anderssein, andersmachen, immer und immer wieder. Jandas Debütalbum könnte keinen passenderen Titel tragen.

Denn Janda ist anders. Anders als die anderen, logisch, aber auch anders als die Janda von neulich: die Literaturstudentin, die Mediengestalterin, die Reisende. »Musikerin werden war zu naheliegend«, sagt sie, schließlich haben die Eltern das schon gemacht. Darum lieber Umwege, Neuanfänge, immer wieder Veränderung. Diese Beweglichkeit, das Unbeständige – es steckt tief in THE OTHER YOU.

Wer es einfach mag, siedelt das Album irgendwo zwischen Pop und Jazz an, übersieht dann aber tausend bunte Souvenirs der Reise hierher: den Blues von Mama und Papa. Den Soul alter Flohmarkt-Platten. Verquere Rhythmen ferner Orte.

THE OTHER YOU ist ein emotionales Wechselbad, denn Jandas wandelbare Stimme macht ihr Innerstes erlebbar: Es geht um Glücksmomente und Liebeskummer, ums Verlassenwerden und Wiederfinden. Gitarre, Schlagzeug und Gesang können in tiefer Melancholie miteinander verschmelzen, nur um im nächsten Moment geradezu un-anständig laut zu werden. Der Titeltrack wird angetrieben von verzerrten Gitarrenriffs, die Chöre in Julia wabern von schön bis schaurig. Und selbst in Oh Love, wo der reine Schöngeist beinahe zu gewinnen scheint, sind Takt- und Harmoniewechsel der „Sand im Getriebe.“.

Janda ist Geschichtenerzählerin. Aber nicht nur ihre eigenen, auch die Geschichten anderer hinterlassen Spuren. Immer wieder widmet sie sich Songs der Menschen, die sie musikalisch am stärksten geprägt haben: Nirvana zum Beispiel, oder den Beatles. 
»Diese Stücke kommen zu mir«, erzählt Janda. Jeff Buckleys Grace etwa, begegnete ihr unter Kopfhörern, wurde erst Ohrwurm, dann plötzlich eine Idee. Dabei geht es immer um ihr eigenes Statement. Janda spielt nicht nach, sie antwortet.

Und manchmal antwortet sie sogar sich selbst. Das fließende When You’re Holding Me eröffnet und beschließt Jandas Album in zwei völlig unterschiedlichen Versionen. Es sind die Gegensätze zweier Gesichter. THE OTHER YOU.

Das Album konserviert Erinnerungen, schöne und weniger schöne, bewahrt sie davor zu verblassen. Das gehört dazu, denn ja: Ein fertiges Album ist immer auch irgendwie ein Ende. »Aber eigentlich«, sagt Janda und denkt an Clubtouren, Solokonzerte und neue Songs, »eigentlich fängt es gerade erst an.«

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