Nachtfarben
Martin Bosch N A C H T F A R B E N
Wenn der Tag geht, es draußen still wird, und die Dinge des Lebens, die uns
unsere Sinne als Realität vermittelt haben – vom Schein der Sonne entkleidet
und vom übert.nenden Lärm befreit – zu Erinnerungen gerinnen, wenn sie ins
Zwielicht des Unterbewussten getaucht, mit dem Weichzeichner unserer
Intuition bearbeitet, zu Ahnungen, Sehnsüchten, Visionen, Utopien
verschwimmen, oder gar vom Licht der Erkenntnis spärlich beleuchtet, für
einen Moment ihr Wesen enthüllen, dann zeigen sie sich uns in ihren
»Nachtfarben«.
Mit den Prinzipien des Jazz bestens vertraut und von der Klanglichkeit
zeitgenössischer skandinavischer Ausprägung beeinflusst, befragen Martin
Bosch (b), Clemens Litschko (dr), Malte Sieberns (p) und Markus Rom (git)
ihre musikalischen Mittel spielerisch immer wieder neu auf ihre
Ausdrucksfähigkeit hin. Dabei stehen bei den Musikern aus der Weimarer und
Leipziger Jazz- und Alternativeszene nicht die Zurschaustellung der Virtuosität
des Einzelnen im Spotlight. In den Kompositionen von Martin Bosch werden
gemeinsam aus einfachen rhythmischen und harmonischen Keimzellen
komplexe musikalische Gebilde entwickelt, entflechtet, verworfen und
verwandelt wieder neu zusammengefügt. Im Einschwingen auf einen
gemeinsamen Puls entsteht dabei stets aufs Neue etwas Ureigenes, das das
Prädikat »Groove« verdient tragen darf. Als besonderes Element tritt dazu die
Stimme von Nastja (Anastasiya Volokitina), die sich nicht etwa mit der
musikalischen Interpretation von Texten in den Vordergrund drängt, sondern
mit sanft fließendem Atemstrom farbige Konturen in den nächtlichen Himmel
zeichnet, die an die Zartheit eines Nordlichts in einer klaren Polarnacht
erinnern lassen.

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