TANN
Bärtige Rübezahltypen

Was haben Roger Whittaker, Tim Bendzko, Giora Feidmann und Miss Platnum
gemeinsam? Sie alle standen bereits gemeinsam mit Musikern des Jazz-Trios TANN
auf der Bühne. Auch wenn Ihr eigener Sound dies nicht sofort vermuten läßt. TANN
stehen für erdigen Rock-Jazz mit knurrigen Gitarren, trockenen Bässen und zackigen
Grooves. Sperriges Melodiegeäst wechselt mit fein verzweigten Rhytmen, melodische
Riffs verwandeln sich verschlungene Improvisationen oder rockige Klanglandschaften.
All das mit einem gewissen Hang zu Überraschungen und dem nötigen Quantum
Selbstironie. Hinter TANN verbergen sich Dirk Häfner (Gitarre), René Bornstein (Bass)
und Demian Kappenstein (Schlagzeug). Alle drei sind studierte Jazzer und wurden schon
mehrfach mit Preisen bedacht, u.a. mit dem Bremer Jazzpreis oder beim internationalen
Jazzwettberb Burghausen. Zudem sind sie gefragte Sidemen in unterschiedlichsten Bands
und Projekten. Die Palette reicht dabei von Klezmer über Schlager und Soul bis hin zu
Deutschpop.
Mit TANN begeben sich die drei Instrumentalisten nun auf die Suche nach einem ganz
eigenen Klang, tief hinein ins Dickicht der Genres zwischen Rock-Jazz und Experimental.
Auf ihrem ersten Album "Koniferen" stellen sie klar, wie ein modernes Jazztrio
heutzutage klingen kann. Dass TANN eine richtige Band sind, hört man ihren Stücken
dabei durchaus an. Von rockig-avantgardistisch bis stimmungsvoll-melodiös spannen
sie einen Bogen über die neun Songs des Albums. Die Kompositionen, die zumeist
aus der Feder von Dirk Häfner und René Bornstein stammen, bestechen durch ihren
musikalischen Einfallsreichtum, den erfrischenden Umgang mit Sounds, Songstrukturen
und Arrangementideen. Mit fast beiläufiger Lässigkeit agiert das Trio auf der Bühne, ohne
dabei das Publikum aus den Augen zu verlieren. Nicht selten überraschen sie mit ihrem
augenzwinkernden Humor und erinnern daran, dass ein Jazzkonzert keine bierernste
Veranstaltung sein muss, sondern vor allem Spaß machen soll. Mehr als 100 Konzerte
führten sie in den vergangenen Jahren in die verschiedensten Jazz-Clubs und Festivals im
in und Ausland.
Zu Ihrem Namen inspiriert wurden TANN während der Aufnahmen in einem Studio
mitten im Wald irgendwo zwischen Berlin und Magdeburg. "Ich fand den Namen Dirk
Häfner Trio irgendwie blöd. Von der Stimmung im Waldstudio inspiriert, kam uns das
Wort TANN in den Sinn. Wir sind auch mehr so bärtige Rübezahl-Typen, zumindest zwei
von uns", grinst Dirk. Die Waldmetapher kommt dabei nicht von ungefähr. Die Musiker
pflegen eine innige Beziehung zur Natur, die sich auch in ihren Hobbys niederschlägt:
sei es nun Waldtiere beobachten, Pilze sammeln oder Angeln. Dazu stehen die drei. Das
Thema Wald schafft zudem auch genügend Raum für klangliche Assoziationen, mit denen
sich der TANN-Sound durchaus treffend beschreiben lässt. Und nicht zuletzt prägt das
Material Holz den Klang von Instrumenten wie Gitarre oder Bass entscheidend. Gerade
deshalb sollte man mit dem Rohstoff auch nicht allzu verschwenderisch umgehen, findet
Dirk: "Am ökologischsten sind immer noch gebrauchte Instrumente. Einige tropische
Edelhölzer sind mittlerweile verboten und werden im Gitarrenbau nicht mehr verwendet."
Um ihrer Leidenschaft Nachdruck zu verleihen, engagieren sich die drei Musiker in der
Schutzgemeinschaft deutscher Wald und beteiligen sich an Baumpflanzprojekten und
ähnlichen Umweltaktionen. Zu Öko-Fanatikern wollen sie sich deshalb aber auch nicht
stilisieren lassen. "Ich hab in meiner Jugend mal Flugblätter gegen die Thüringerwald-
Autobahn verfaßt. Trotzdem fahren wir nach wie vor mit dem Auto zum Gig, und das nicht
zu knapp, leider. Der Wald ist ja nicht nur Natur, Abenteuer und Erholung, sondern auch
stark vom Menschen geprägt", meint Dirk.
-Andreas Kubitza

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