Hello Emerson

“This album is the collective effort of fifty-one people who decided that songs are important”,
steht ganz zuerst in den liner notes zu „How to Cook Everything”. Es ist das zweite Album
von Hello Emerson aus Columbus, Ohio, benannt absurderweise nach dem gleichnami-
gen Kochbuch von Mark Bittman.

Da sind ein 30-stimmiger Chor, ein Streichquartett, Alt- und Tenor-Saxophone,
Klarinetten, Pedal Steel Guitar und vieles mehr - so üppig und weich arrangiert, dass es
einen erfreut an frühe Lampchop-Alben zurückdenken lässt.

Und trotzdem ist „How To Cook Everything” ganz zuerst ein Songwriter-Album, ein Autoren-
Album. Denn Sam Bodary, 25-jähriger Kopf und Songwriter mit einem Hochschulab-
schluss in Literaturwissenschaft, hat in jedem der zehn Lieder eine Geschichte zu erzählen
und legt nach eigener Aussage bei aller Opulenz stets Wert darauf, niemals die Gastfreund-
schaft seiner Hörer zu überbeanspruchen.
Trotzdem zerdehnt er auf wunderbare Weise die nichtigsten Details, wenn es nötig
erscheint: „Cathy Davis needs a new printer | A color inkjet with a scanner” (Dancing in the
Kitchen). Er hat die traurigsten Slice-of-Life-Kurzgeschichten (May 2018), manchmal
bissige politische Kommentare (Another War) und ganz oft einfach wunderbar beschei-
dene, zartfühlige Alltagsbeobachtungen aus dem Mittleren Westen der USA, verbunden mit
der Gabe, ganz kleine Dinge zu etwas wirklich Großem zusammnzusetzen.
Wie etwa im letzten Song des Albums, „Seat 16b“, der sich zu einer Hymne auf den
Neubeginn aufschwingt. Eine Frau im mittleren Alter, die zum ersten Mal überhaupt ihre
Heimat Arkansas verlässt, um viele Jahre später die romantische Beziehung zu ihrer
Highschool-Liebe aufleben zu lassen. „There’s a first time for everything“, rufen ihr am Ende
30 Menschen aus voller Kehle zu. Bodary saß damals im Flugzeug eine Reihe weiter.
Den Kraftakt, knapp 50 lokale Musiker*innen innerhalb von nur drei Studiotagen im
März 2019 irgendwie zu arrangieren, zu koordinieren und zu motivieren stemmte er in dem
Trio, das den Kern von Hello Emerson bildet. Bodary schreibt die Songs, arrangiert und
instrumentiert werden sie gemeinsam mit Jack Doran (Tasten) und Daniel Seibert
(Percussion), die auch die (häufigste) Live-Besetzung der Band bilden.
Der Ausgangspunkt des neuen Albums liegt in dem Song „Am I the Midwest“ und damit in
einem Interview mit einem deutschen Radiosender, in dem er die rechtsextremen
Ausschreitungen in Chemnitz im August 2018 kommentieren sollte, die er auf Tour damals
zufällig miterlebt hatte:
„We spoke about this event directly, drawing connections between the “Trump Country”
midwest and the Neo-Nazi resurgence in Saxony. That conversation was just about the only
time I’ve ever felt exotic for being from the corn belt. [...] I have pride in midwestern
successes and I have shame in midwestern failures - especially our state falling to Trump.
This record is about trying to gracefully move through those failures. Whether those
disappointments come as personal relationships end or as presidencies begin - I think it’s a
midwestern response to gracefully, dutifully, and consistently work through failures so we can
do better next time. I think, or at least hope, that’s midwestern culture.”



Bandinfos
Genre: Folk
Country: United States
Past Events
2020 (1)

28. Januar 2020