BRTHR
In der Regel soll bereits der Bandname einprägsam und irgendwie mit der zu erwartenden Musik im Zusammenhang stehen. Einen etwas anderen Weg geht da das Duo BRTHR aus Stuttgart. Da lässt die Namensschöpfung grundsätzlich erstmal eine Menge Platz für die tollsten Interpretationen; vielleicht auch für die Musik die man hinter diesem ungewöhnlichen Namen vermutet. Die Auflösung ist dann aber doch so simpel wie einleuchtend, denn BRTHT steht für nichts anderes als BROTHER, sollte aber ebenso schlicht und einfach daher kommen wie die Musik selbst. Letztlich geht es aber um äußerst geerdeten Blues ganz im Sinne eines J.J. Cale. Sehr entschleunigt und auf das wesentliche reduziert. Das zu mindestens ist die Interpretation von Joscha Brettschneider und Philipp Eißle, wenn es zur Aufklärung ihrer Songs und den Namen BRTHR geht. Mit ihrer Vorstellung von Musik haben sich der Songwriter Philipp sowie der Soundtüftler Joscha zusammengefunden und ihre Fähigkeiten in das Debütalbum „Strange Nights“ einfliessen lassen. Der Einfluss des allseits bekannten J.J. Cale ist so ziemlich an jeder Stelle ihre Albums allgegenwärtig. Gängige Riffs, pumpende Drummachine, sparsame Vocals – alles sehr bewußt langsam. „Laut und schnell kann jeder“ behaupten BRTHR, „Raum für Virtuosität lassen nur langsame Songs“. So sehen die beiden Musiker die zehn Tracks auf „Strange Nights“ als „Hinhörmusik“, denen die „Kraft der Langsamkeit“ Zeit zum durchatmen gibt.Das muss man mögen, denn viel Spielraum gibt es hier nicht. So konnte ich herrlich feststellen, wie man nach einem stressigen Bürotag in der Straßenbahn sitzen kann und sich mit den Songs von BRTHR total vom Geschehen lösen konnte. Die Stadt fließt am Fenster an mir vorbei und „Strange Nights“ auf den Ohren lässt mich völlig entkoppelt wieder zu einer ordentlichen Bodenhaftung kommen. Das kommt richtig gut und fühlt sich auch genauso an. Meine Anspiel-Tipps: „Nothing On My Mind“ und „Somewhere Else Tomorrow“. Jepp Boys, das habt ihr gut gemacht. Wenn ich dann aber doch eine Kritik anbringen dürfte, dann wäre es die gefühlt durchgängige Unaufdringlichkeit. Denn BRTHR können nicht unbedingt mit dem Stimmvermögen eines Luke Sital-Singh, musikalischer Präsenz eines Ben Howard oder der überspringenden Energie eines Ed Sheeran aufwarten. Wollen sie vielleicht auch gar nicht. „Wir machen Musik für eine kleine Szene. Die Originale leben in der USA“ hatten Joscha Brettschneider und Philipp Eißle der Stuttgarter Zeitung verraten. Und genau das macht die Schwaben wiederum äußerst sympathisch. Sie machen eben das, was sie am besten könnten: in einer auf Masse orientierten Gesellschaft mit Minimalismus einen entsprechenden Gegenpol schaffen. Das ihnen das gelungen ist, sollte mit den zehn Kompositionen auf „Strange Nights“ Beweis genug sein. Und da es sich hierbei noch um ein Debüt-Album handelt, bleibt da ja auch noch eine Menge Luft nach oben. Allerdings sollte man BRTHR auch mal Live hören, sollen sie nach eigener Aussage in der Besetzung sogar fast Tanzbar sein. Na, das wollen wir doch mal sehen … äh, hören. Ein Text von Wolfgang Baustian www.soundkartell.de/brthr/

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