jazz
Humor muss man sich leisten können. Denn er entsteht nicht zwangsläufig aus dem, was auf den
ersten Blick witzig erscheint. Humor ist eher eine Frage der Haltung, aus der Perspektive der
Kompetenz heraus etwas nicht so eng sehen zu wollen. Insofern hat das Dirk Häfner Trio Humor, sehr
viel sogar. Natürlich fußt die Musik der drei Musiker aus dem Umkreis der Dresdener
Musikhochschule in der Tradition, hat den Jazzrock und den Blues, die alterierte Moderne und die
notwendige Prise Zeitgenössisches verinnerlicht, um die Grundvoraussetzungen einer aktuellen
Combo der improvisierenden Klangwelt zu erfüllen. Aber dann kommen Wendungen, die überraschen,
Kommentare und stilistische Querschläger, Soundideen und Arrangementeinfälle, die den
Hörerwartungen widersprechen. Dabei handelt es sich nicht um große revoluzzernde Gesten, sondern
um lakonische Kleinigkeiten, ein unerwarteter Break, eine raffinierte Phrasierung, ein schräger
Einschub, musikalisches Augenzwinkern für die, die mit dieser Form von Humor auf Ebene zwo
umgehen können.
Das funktioniert nur, weil das Dirk Häfner Trio ein richtiges Trio ist. Hier sind drei Partner auf
Augenhöhe am Werk, die sich nicht gegenseitig übertrumpfen wollen, sondern am gemeinsamen
Klangbild arbeiten. Das ist noch nicht immer perfekt, schließlich ist die Band noch jung und gerade
erst im Begriff, sich außerhalb der universitär geprägten In-Zirkel einen Namen zu erspielen. Aber der
gemeinsame Stilwille entfaltet sich mit symbiotischer Lässigkeit, weil alle drei Beteiligten bereits auf
einschlägige musikalische Erfahrungen an der Seite von kompetenten Kollegen zurückgreifen können.
Der Schlagzeuger Demian Kappenstein zum Beispiel ist Meisterschüler von Eric Schaefer und als
solcher prädestiniert, sich im Stilgemenge von Rocklärm bis Avantgarde zurecht zu finden. Das führte
zu Auftritten mit Rolf Kühn und Markus Stockhausen ebenso wie mit Kurt Rosenwinkel und Vincent
von Schlippenbach und zu einer Klangsozialistation, die das Schlagzeug zu gleichem Teil als
Soundgenerator wie Rhythmusgarant versteht.
Der Bassist René Bornstein wiederum hat unter anderem bei Tom Götze gelernt und ist bei
Arrangementpapst Thomas Zoller in die Hörlehre gegangen. Auf dieser Basis hat er sich zu einem
gefragten Sideman der ostdeutschen und Berliner Jazzszene entwickelt, der inzwischen auch über die
Landesgrenzen hinaus aktiv ist. Der Namensgeber des Trios schließlich hat in England und Dresden
studiert, bereits einige Lehrjahre als Bühnenknecht in Bands von Roger Whittakker oder Sängerin Kira
hinter sich, ohne darüber seine jazzigen Interessen zu vergessen. Etappensiege gewann Dirk Häfner
in Workshops in Turin, Sienna oder unlängst durch den zweiten Preis seines Trio beim Internationalen
Nachwuchswettbewerb in Burghausen. Er wirkte bei Aufnahmen von Gruppen wie Sessao oder Xochil
mit, im eigentlichen Zentrum aber steht das Trio. Denn Kappenstein, Bornstein und Häfner haben
dieses besondere Etwas im musikalischen Umgang miteinander, diesen speziellen Flow, der aus
gutem Modern Jazz mit überwiegend eigenen Stücken eine individuelle Mischung macht, die
herausfordert, aber nicht übertreibt, lustvoll die Tradition entkernt, ohne sie aber zu negieren. Das
macht aus dem Dirk Häfner Trio eine Band, die beim Sprung in die internationale Liga an der Pole
Position steht.
Ralf Dombrowski (Jazzthing, Sueddeutsche Zeitung)

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